Durch die enge Pforte des individuellen Verständnisses
VON LISA VAN HOLSTEIJN UND ROBERT MANTHEY | MÄRZ 2026
Nachklang zum Treffen der Jungen Hochschule, Berlin 6.-8. März 2026
Eine Weile ist das Treffen der Jungen Hochschule bei Bodo von Plato nun her und der Alltag hat einen wieder voll im Griff. Aber schön war es, auch wenn es dieses Mal gar nicht bei Bodo stattgefunden hat. Der musste krankheitsbedingt leider kurzfristig absagen und so fand das Treffen spontan in den sehr schönen Räumlichkeiten der Bornstraße in Berlin statt.
Thematisch ging es um das 19. Mantra, jedoch wurde Freitag Abend beginnend ein kurzer Bogen durch alle Mantren gespannt, um sich dann Samstag mit dem 19. zu beschäftigen. Am Abend hat Lisa einen schönen Kreis angeleitet bei dem es darum ging, dass jeder etwas mit der Gruppe teilen kann. Dieser wurde dann mit einer sehr spaßbringenden Reise nach Jerusalem abgeschlossen.
Durch Bodo's Abwesenheit mussten einige von uns Aufgaben übernehmen, die sonst traditionell eben jener übernommen hätte und es war spannend zu sehen, dass das geht und auch durchaus auf eine wundervolle Art und Weise, was irgendwie einen Reifungsprozess in Gang gebracht hat. Dennoch freuen wir uns natürlich alle, wenn Bodo beim nächsten Treffen im Oktober wieder mit von der Partie ist. Es herrscht jedes Mal eine besondere, konzentriert-geistige Stimmung und dennoch ist es schwer zu greifen was da eigentlich passiert.
Geschlossen wurde das Wochenende mit der offenen Frage, was es ist, was da im Enstehen ist, wo führt die Reise hin und was ist dieser geistige Impuls, der da in der Jungen Hochschule Ausdruck findet und wie können wir uns dem gezielt weiter annähren.
von Robert Manthey
von Lisa van Holsteijn
Das letzte Junge Hochschule Treffen in Berlin, vom 6.-8. März 2026, war für mich eine tief beglückende Erfahrung. Es war das Erlebnis einer Zukunftsgemeinschaft.
Ich erlebte, wie wir, 12 junge Menschen aus verschiedensten Ecken Deutschlands, es geschafft haben zusammen zu bauen. Wir bauten an unser eigenen Verständnis der 19. Mantren der Michaelsschule. In anderen Zusammenhängen habe ich häufig erlebt, wie schwer es ist, über diese so hohe Weisheiten der Hochschule “offen” zu reden. Wie schwer es ist in den offiziellen und ernsten Runden der Hochschultagungen ehrlich miteinander zu teilen. Wie in der Regel eine Angst im Raum schwebt, die uns hindert zu sagen wie wir die Inhalte verstehen.
Dabei bleiben die Inhalte verschlossen. Häufig trauen wir uns nicht in eigenen Worten zu erzählen und stets werden die “Erklärungen” von Steiner oder Prokoffief zitiert damit wir uns selber nicht entblössen. Auch ich bin diese Tendenz öfters verfallen. Irgendwie ist dies leider zu einer Art “Anthroposophen Kultur” geworden; es erzeugt eine Stimmung der Enge und Zurückgezogenheit die nichts mit dem Geist Michaels oder der Anthroposophia zu tun hat.
Daher ist es umso beglückender, dass es uns in der jungen Hochschule stets mehr gelingt diese Hemmschwelle zu überwinden.
Das letzte Wochenende wollten wir dem 19. Mantram widmen und am ersten Abend haben wir versucht den ganzen Bogen zu schaffen. Da Bodo von Plato und Elke Schmitter, bei denen die Treffen normalerweise in Berlin stattfinden, erkrankt waren, “mussten” wir den Weg vom 1.-19. Mantram ganz selber beschreiben. Schritt für Schritt, in einer freudig-ernsten Stimmung, haben wir es geschafft den Bogen im Raum zusammen aufzubauen. Da es ganz aus eigenen Worten, oft angereichert mit eigenen Wahrheitserfahrungen, stand am Ende dieser Bau vor uns: golden, ganz real und greifbar. Noch nie hatte ich so stark die Erfahrung des Verstehens dieser Mantren. Dadurch, dass ich so stark gefragt war, die Mantren in meinen Worten zu fassen, sind sie persönlich geworden. Das persönlich werden, dieser überpersönliche Menschheitsworte, war das was mich bei diesem Treffen so beeindruckt hat. Ich erlebte wie sie anfingen zu mir, in meiner Sprache, zu sprechen. Per-sonare. Hindurch-tönen. Die Worte, tönten tatsächlich durch die individuellen Menschen und schufen damit eine neue Wirklichkeit.
Schlüssel, dafür, dass diese Qualität entstehen kann, sind für mich folgende Elemente:
Wir waren eine Gruppe ohne eine klare Autorität. Auch wenn Bodo, das für uns sonst nicht sein möchte, bekommt er von uns in der Regel diese Rolle zugeteilt. Dadurch, das die Autorität beim letzten Treffen nicht da war, waren wir viel stärker als Gruppe gefragt ein Gefäss zu bilden.
Auch herrschte eine Stimmung der Leichtigkeit und Freude. Hierdurch wurde nichts von dem Ernst der Thematik weggenommen. Im Gegenteil, es unterstützte den Fluss des Einsehens und Verstehens - wir waren zusammen auf der Suche und gingen fragend an den Worten heran.
Am Samstagabend haben wir ein WahrnehmungsRaum geschaffen um einander in unserem Werden und Verletzlichsein zu zeigen. Jeder hat einen kurzen Beitrag aus seinem Leben geteilt. Die Einladung war etwas in die Runde zu stellen was in Dir aktuell lebt. Was beschäftigt Dich gerade? Was ist in Dir lebendig? 12 Perlen, verletzlich und strahlend, wurden im Raum sichtbar.
Wiederum, das Motif des “personares,” des sich-persönlich-Zeigens, in Gemeinschaft. Somit senkte sich eine Wärme in die Runde, was die Arbeit an den Mantren unterstützte. Genauso war es bei der SchreibWerkstatt, wo wir geschaut haben welche Worte bei uns räsonieren und daraus zu eigenen Einsichten und das Verinnerlichen einzelner Zeilen kamen.
Als wir als Abschluss am Sonntag, mit einem Wächter an der Tür, eintraten in die Lesung der 19 Mantren, war eine warme, fast religiöse Stimmung im Raum zu spüren. Ich hatte am Ende dieser Lesung, das Erlebnis, dass der jungen Rudolf Steiner anwesend war. Am Tag vorher, nachdem wir die 19. Stunde gelesen hatten und mit Zeichen und Siegel abgeschlossen wurde, war für mich Christian Rosenkreutz zu spüren.
So war dieses Treffen für mich tief wesentlich und es trifft für mich, den Kern der Zukunftsaufgabe der anthroposophischen Bewegung.
Wir brauchen Räume, in denen die hohen Inhalte, die uns Rudolf Steiner erteilt hat, persönlich werden können. Sie wollen von uns gegriffen, heruntergeholt und in unseren eigenen Worte übersetzt werden. Wir dürfen mutig sein und uns zeigen. Sie wollen hindurchtönen, durch die enge Pforte des individuellen Verständnisses. So sehe ich eine hohe Aufgabe für die Junge Hochschule und hoffe, dass sie inspirieren und strahlen mag, damit möglichst viele solche michaelischen Räume der Wärme und des Sich-Mutig-Zeigens im Lichte der 19 Mantren entstehen mögen.